Presse

loco - zeitgenössische kammermusik

Interview in der Neuen Luzerner Zeitung

Pirmin Bossart (PB): Luigi Laveglia, Sie sind Interpret und Komponist, aber machen mit Loco pure Improvisation. Was interessiert sie daran?

Luigi Laveglia (LL): Die Improvisation, wie wir sie verstehen, ist eigentlich die Königsdisziplin für jeden Musiker. Es gilt, ohne Vorgaben aus der puren Präsenz heraus mit fünf Musikern und ihren verschiedenen Hintergründen einen Raum zu schaffen, in den sich im besten Fall auch das Publikum einklinken kann.

PB: Ist Improvisation "Instant Composing", also Komponieren aus dem Moment?

LL: Komposition hat viel stärker mit Planung zu tun und geschieht in einem anderen Zeitrahmen. man kann diese beiden Sparten nicht miteinander vergleichen.

PB: Was zeichnet Loco denn aus?

LL: Wir haben den Anspruch, anders zu klingen als andere Improbands. Wir sind nicht Projektorientiert, sondern verstehen uns als ein Ensemble, das gemeinsam forscht. Solange es für uns nicht stimmt, wollen wir weder CDs veröffentlichen noch gross Konzerte geben.

PB: Wann stimmt es für Sie?

LL: Wenn jeder von uns so spielt, dass nichts vorhersehbar wird und die Präsenz der Musik trotzdem voll trifft. Dann nimmt auch das Publikum Teil am gleichen musikalischen Raum und ist nicht bloss externer Zuhörer.

PB: Sie treffen sich auch als Improvisierende regelmässig zu Proben? 

LL: Proben und improvisieren ist kein Widerspruch. Je mehr man probt, desto besser wird die Improvisation. Man übt ja nicht Stücke ein sondern letztlich ein Haltung. Wir üben, aus dem Moment heraus die richtigen Entscheidungen zu treffen, ohne sie zu planen.

PB: Wie gehen Sie das an?

LL: Wie spielen, nehmen alles auf, hören die Stücke nochmals durch analysieren sie. Dadurch erkennen wir, was wir vermeiden und was wir erreichen wollen. So ist uns etwa klar geworden, dass in vielen Improvisationen zu viele Räume geschaffen werden. Also haben wir uns auf einen Raum konzentriert, den wir umso intensiver ausloten. Im Moment sind wir in einer Phase, wo wir nur piano oder pianissimo spielen. Unsere Herangehensweise erfordert eine extreme Wachheit und Aufmerksamkeit. Wir sind am Ende eines Konzertes meistens total erschöpft.

Neue Luzerner Zeitung, 28. Mai 2013  

 

loco - zeitgenössische Kammermusik

Im "La Fourmi" Luzern wurde am Donnerstagabend ein Konzert aus feinstem Garn gesponnen. Es zwirnten die Saiten, klirrten die Tasten, brummten die Sinuswellen, lispelten die Klappen. Die Musiker sassen im Halbrund. Es war kühl im schönen Raum und wurde immer kühler. Die Kälte kroch in den Körper, und der Körper kroch in die Klänge. (...) Am Donnerstag, dem zweiten Auftritt der Gruppe überhaupt, setzte Walter Fähndrich mit einem unnachahmlichen Einstieg in die Transparenz der Leere auf seiner Bratsche einen faszinierenden Klangprozess in Gang. Er schien nach bestimmten Gesetzen abzulaufen und einem inneren Drang zu folgen, im Rudel zu bleiben. So dachet der Hörer. Doch unter den Musikern war nichts abgesprochen. Da schlummerten höchstens Erfahrungen aus den Proben und den gemeinsamen Reflexionen, die an diesem Abend zum Ausdruck kamen. Vielleicht wirkten auh die frostigen Temperaturen mit, die dafür sorgten, dass die Musik wie eine konstante Glut geheimnisvoll glimmte. Die sinst bei vielen Improkonzerten übliche Berg-und-Tal-Dynamik wurde konsequent heruntergedimmt auf eine musikalische Flüsterlinie, die fast statisch am Ort zu verharren schien. Das Ganze lebte von kleinsten Impulsen, die jeder Musiker einbrachte. Die elektronik war manchmal nur als sublimes Vibrieren im Raum zu vernehmen, während Luigi Laveglia die Klänge so minutiös sparsam setzte, als würde er sie einzeln aus dem Innern des Flügels hervorholen. Eine grosse Ruhe schwebte über dieser zeitgenössischen Kammermusik. Die Improvisation war ein Kontninuum aus verschiedenen Sequenzen, in denen immer wieder ein anderer Musiker den inneren Lead zu übernehmen schien. Das veränderte höchstens die Tonalität um ein paar Mikrograde, aber nicht die grosse Form oder den dynamischen Pegel. Doran beflackerte die Glut in sanft-elektronischen Saitenreibungen, Fähndrich drang mit seiner Intonation bis in die Fasern des Klangs. Alle woben mit am gleichen Garn. Niemand nahm einen grellen Faden, machte einen Bruch, riss an der Textur. Umso poröser war, was da wurde.

Pirmin Bossart, Neue Luzerner Zeitung, 11. Februar 2012 

 

reversed echoes
(...) Das New Yorker Trio mit der gebürtigen Luzerner Pianistin Yvonne Troxler brachte erfreulicherweise ein Werk des Luzerner Komponisten Luigi Laveglia zur Uraufführung. Es gefiel vor allem mit der perkussiv-minimalen Klangsprache des Pianos.
Pirmin Bossart, Neue Luzerner Zeitung 15. April 2010

Code of Light
(...) Bloss gefällig ist Laveglias "Code of Light" freilich nicht. Zwar gibt es hier poetische Klangerkundungen, Momente sphärischer Schönheit und Entrückung. Aber wichtiger als frei tänzelnde Rhythmen sind die tastenden Suchbewegungen, die dieser Musik auch etwas Fragendes, ja Abgründiges geben.
Urs Mattenberger, Neue Luzerner Zeitung 1. Oktober 2009

Lisan al-Gaib
(…) Anschliessend «Lisan al-Gaib für Ensemble». Mein Eindruck: «Klangfarben variativ, zerstreut, dynamisiert.» Der Komponist Luigi Laveglia: «Bei der Arbeit stand vor allem der Energieverlauf im Vordergrund und die Wahrnehmung eines in sich lebendigen Zustands.»
Paul Schorno, Basler Zeitung 2005

come & see me in the green hotel
Tokio. - Der Schweizer Bundespräsident Joseph Deiss hat am Montag in Japan eine PR-Offensive für die Schweiz lanciert. (…) Zum Auftakt spielte das Basler Ensemble Classique unter dem Stichwort «Enishi» («Treffen») vor einem ausgewählten Publikum Stücke von Mozart, Tschaikowsky sowie zwei Premieren von Luigi Laveglia und Satoko Maeda.
(sl/sda) 11.Oktober 2004

Prologo_Shaman's blues
Aunada a esta impactante pieza dramática, el Guernica Ensamble atinadamente propone como prólogo una obra escrita por el joven compositor suizo Luigi Laveglia, basado en un poema de Jim Morrison titulado Shaman’s blues.
El profundo contenido místico de este introito musical, genera una conexión ideal entre las obras que el Ciclo de Música Contemporánea presenta el día de hoy, dentro de las actividades de la 32 edición del Festival Internacional Cervantino.
Programmtext Festival International Cervantino, Mexico,  Oktober 2004

encantadas - die verwunschenen inseln
„Encantadas, die zweite Musiktheater-Produktion im UG, der Experimentierbühne des Luzerner Theaters, verdichtet fünf der zehn Skizzen Melvilles zu «komponierten Momenten». Dabei herrscht das Dunkle, Öde, auch das Verwunschene und Urweltliche vor. Die ersten Sätze, die der Schauspieler Marcel Metten inmitten der den Wänden entlang ausgespannten Landschaftsprospekte spricht und mit denen er fast wie ein Baedeker die aus Wüstensand und schroffen Felsen bestehenden Inseln beschreibt, klingen noch ziemlich sachlich. Und es entbehrt auch nicht einer gewissen Komik, wenn die vier Musiker des Onyx-Quartetts mit Stahlhelmen der Schweizer Armee erscheinen, den mit Stiefeln, Pumphosen und ebenfalls einem Stahlhelm bewehrten Erzähler im Schlepptau. Doch dann gewinnt Melvilles poetisch wuchernde Sprache zusehends an suggestiver Ausdruckskraft und bildlicher Plastizität. Marcel Metten meisselt sozusagen die Worte in den Raum und deutet daneben gleichzeitig körperhaft an, wovon er spricht, indem er etwa eine Schildkröte nachahmt oder eine hündische Verhaltensweise assoziiert (in der wahrhaft grotesken Geschichte vom kurzlebigen Reich des «Hundekönigs» auf einer der Inseln). Das ergibt zusammen mit der szenischen Umsetzung (Viola Hasselberg) meilenweit entfernt von Reise-Werbeprospekten spannende Momente von starker Wirkung. Und was ist mit der Musik von Luigi Laveglia? Sie führt kein Eigenleben; diese sparsamen, aufgesplitterten Klänge zwischen Geräusch und Klang ordnen sich ganz dem Wort unter, unterstreichen die schockierende Radikalität, mit welcher der Mensch in dieser Einöde abseits der Zivilisation auf sich selber zurückgeworfen wird.“
Fritz Schaub, Neue Luzerner Zeitung, 23. Dezember 2002

Installation Blackbox01, Basler Musikmonat 2001
„Sie steht einfach da. Eine schwarze Kiste mit einem Eingang. Dunkel. Kein Plakat, keine Erklärung, keine grelle Verlockung. Eine schwarze Kiste. Verlockend. Subtil verführt der Luzerner Luigi Laveglia das Publikum, stachelt dessen Neugierde durch gezielte Informationsverweigerung an: was mag sich im Inneren seiner «Blackbox01» befinden? Er posaunt seine Musik nicht an das Publikum heran, sondern spielt mit unserer Sucht nach Surprisen, unserer Lust, Unbekanntes kennen lernen zu wollen. (…) Die Musik klingt besetzungsbedingt wenig laut. Klar und verständlich ist das Tonmaterial ausgebreitet.
Benjamin Herzog, Basler Zeitung, 26. April 2001